Für Donnerstag, den 27. August, um 12:00 bereiten die Mitglieder der Gewerkschaft der Geschlossenen Aktiengesellschaft (UAB) Palink-IKI eine Mahnwache vor der deutschen Botschaft vor. So wollen die Mitarbeiter der litauischen Supermarktkette IKI die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung und der Gewerkschaften darauf lenken, wie die mit deutschem Kapital geführte Kette IKI in Litauen mit seinen Arbeitnehmern umgeht, und den Aktionären des Unternehmens konkrete Forderungen stellen. Die REWE-Gruppe hatte Ende 2007 fast die Hälfte von IKI übernommen.
Die Arbeitnehmer der Einzelhandelskette sind erbost über die Art, wie IKI Massenentlassungen vorgenommen hat: Mitarbeiter wurden eingeschüchtert und unter Druck gesetzt, freiwillig und ohne Abfindung das Unternehmen zu verlassen. Besonders großer Druck wurde auf Gewerkschaftsmitglieder ausgeübt. In der vergangenen Woche wurde Irina Judina, Leiterin eines Ikiukas-Supermarktes im Vilniusser Stadtviertel Pašilaičiai und Mitglied des Gewerkschaftsvorstandes, von einem Tag auf den anderen entlassen.
Judina dazu: „Ich denke, dass ich entlassen wurde, weil ich mich für die rechtlichen Interessen der in diesem Geschäft arbeiteten Menschen eingesetzt habe, wie zum Beispiel für eine Lohnerhöhung. Das Unternehmen hat ein derartiges Verhalten nicht geduldet und mich rausgeschmissen. Aber meine ‘Schuld’ war, dass ich versucht habe, die Gehaltsordnung auf Grundlage des von der UAB Palink ratifizierten Motivationssystems durchzusetzen.“
Mit der Mahnwache wollen die Beschäftigten die Aufmerksamkeit der deutschen Kollegen darauf lenken, dass in dem Unternehmen die eh schon niedrigen Gehälter deutlich gekürzt wurden, während die Arbeitszeit ständig erhöht wird. Die weltweite Wirtschaftskrise diene als willkommener Vorwand, die Arbeitskosten zu senken und permanent das Gehalt derer zu senken, die am wenigsten verdienen, und zur selben Zeit spreche das Unternehmen in aller Seelenruhe von Expansion und rühme sich, Neueröffnungen von weiteren Geschäften zu planen – so die Vorwürfe der Gewerkschaft. Den meisten Beschäftigten würden schon seit einiger Zeit ein großer Teil der Zusatzleistungen vorenthalten, obwohl sie ständig zur Mehrarbeit verpflichtet werden. Daher fordern die Arbeitnehmer nun die strikte Einhaltung der Gehaltsordnung, eine klare Überstundenregelung sowie die Garantie eines Mehrarbeitsausgleichs wie es das litauische Arbeitsgesetzbuch vorschreibt.
Gewerkschaftsmitglied G. Proskurina: „Wir haben vor, dem deutschen Botschafter eine Petition vorzulegen, unter welchen Bedingungen der durchschnittliche IKI-Angestellte lebt. Wir wollen, dass die Kollegen aus Deutschland wissen, wie viel der durchschnittliche Kassierer in Litauen verdient, und auch, wie viel Fleisch, Milch und Brot kostet. Ich bin der Meinung, dass die Zahlen und besonders die Proportionen die Deutschen sehr überraschen werden.“ Litauen hat neben Lettland die höchste Teuerungsrate der neuen EU-Mitgliedsstaaten zu verzeichnen: Seit 2004 haben sich die Lebensmittelpreise nahezu verdoppelt.
Der Gewerkschaft nach litten am meisten die nicht gewerkschaftlich organisierten Menschen, die sich stillschweigend dem Willen ihrer Arbeitgeber beugten. Aber auch die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft schütze nicht vor Ausbeutung. Der einzige Schutz bleibe die Solidarität unter den Arbeitnehmern.
Die Mahnwache findet am 27. August um 12:00 vor der deutschen Botschaft in Z. Sierakausko g. 24/8 statt.

Litauen hat neben Lettland die höchsten Teurungsraten bei Lebensmitteln seit EU-Beitritt zu verzeichnen.

Gewerkschaftler werfen der REWE-Gruppe vor, mit Druck und Einschüchterungen Mitarbeiter der litauischen Supermarktkette IKI zur Kündigung zu bewegen.